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Standby-Betrieb
Peter Strassacker Dr. Peter Strassacker
seit 1977 Lautsprecherbau
Bücher über Materialforschung und Feldtheorie
Boxen wie Lagrange 98, Pascal, Sub 10-60

Moderne Elektrogeräte haben seit vielen Jahren einen Standby-Betrieb, der 2005 und 2008 durch EU-Verordnungen innoviert wurde. Daniel Gattig befragte dazu Peter Strassacker (10/2010).
 
 

Daniel:
Einen Standby-Betrieb kannten schon HiFi-Geräte oder Fernseher vor 30 Jahren. Peter, warum gibt es dann eine neue EU-Verordnung Nr. 1275/2008?

Peter:
Standby hieß in der Vergangenheit, dass es einen Betriebsart gibt, in der das Gerät nicht aktiv arbeitet. Dabei waren die Bedingungen für den Wechsel in den Standby-Betrieb durchaus sehr unterschiedlich. Viele Geräte deaktivierten sich zwar, ließen jedoch beispielsweise ihren Transformator auf voller Spannung weiter am Netz. Weitere Geräte reduzierten ihre Leistungsaufnahme überhaupt nicht.

Daniel:
Solange der Stromverbrauch die Haushaltskasse nicht plündert, gibt es außer Brandgefahr doch keine wichtigen Kriterien?

Peter:
Ja! Im ersten Punkt gibt es jedoch enorme Unterschiede. In Stereoplay 7/2010, Seite 38 ff wurden aktive Subwoofer getestet. Die durchschnittliche Standby-Leistungsaufnahme aller 12 Geräte beträgt 6,5 Watt; zwei Modelle benötigten 17,6 Watt. Rechnet man dies auf ein Jahr hoch, so erhält man einen Energieverbrauch im Standby-Betrieb von 57 kWh oder für die energiehungrigen Geräte 154 kWh. Legt man einen kWh-Preis von 0,20 EUR zugrunde, so erzeugt der durchschnittliche Subwoofer pro Jahr Kosten von 11,39 EUR; die beiden leistungsfressenden Subwoofer von knapp 31 EUR.

Daniel:
Im Vergleich zu einer sehr teueren Anlage ist dies nicht teuer; dennoch ist es im Zeitalter sich verknappender Energieen wohl nicht zeitgemäß. Lebt ein guter Subwoofer in einem Haushalt 10 Jahre, so summiert sich der Energieverbrauch doch enorm.

Peter:
So ist es. Die Verordnung 1275/2008 gibt dann auch als Ziel für 2013 an, dass die aufgenommene Energie im Aus-/Standby-Zustand 0,5W nicht überschreitet; Wunschwerte sind je nach Leistungsaufnahme der Bereitschaftsanzeige 0,1 bis 0,3 Watt.

Daniel:
Solche Geräte gibt es ja schon; TEAC-Receiver oder moderne aktive Subwoofer, wie Boston Acoustics RPS 1000.

Peter:
Auch im Selbstbau muss man nicht viel Geld dafür ausgeben. Hochwertige Subwoofer-Verstärkermodule haben in der aktuellen Version eine zusätzlich eingebaute Leiterplatte, die separat versorgt ist und bei Anliegen eines Signals am Eingang des Verstärkers diesen dann hochfährt. Mit knapp 0,3 Watt Standby-Leistungsaufnahme ist der Jahresverbrauch bei 0,20 EUR/kWh rund 0,50 EUR.

Daniel:
Das klingt nach sehr wenig, wenn man dann aber Tuner, Verstärker, Subwoofer, Toaster, Rasierer Kaffeemaschinen, Telefone usw. betreibt, dann summiert sich auch die verbrauchte Energie.

Peter:
Schauen wir in Wikipedia nach: In Deutschland beträgt der geschätzte Leistungsbedarf durch Leerlaufverluste ca. 2,3 GW (2 300 000 000 Watt), was im Jahr Energiekosten von 3,5 Milliarden Euro verursacht.

Daniel:
Das ist sehr viel. Spannend bleibt die Frage, ob dieser Energiebedarf durch sparsame Geräte gesenkt werden kann oder ober immer mehr Elektrogeräte den Gesamtverbrauch immer mehr nach oben treiben.

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