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Aufstellung der Heimkino-Lautsprecher

Peter Strassacker Dr. Peter Strassacker
seit 1977 Lautsprecherbau
Bücher über Materialforschung und Feldtheorie
Boxen wie Lagrange 98, Pascal, Sub 10-60

Frank Kleiber befragte zur Aufstellung von Heimkinolautsprechern
Peter Strassacker (4/2006).
 

Frank:
Peter, früher gab es meist 5.1-Aufstellungen. Worauf kommt es dabei an?
 

Heimkino

Peter:
Wenn das Heimkinosystem nur ein Teil des Raumes einnimmt, so konzentrieren wir uns auf in der nachfolgenden Diskussion nur auf diesen Teil:

Vorn links und rechts werden die Frontlautsprecher F (front = engl. vorn) aufgestellt. Im Kino sitzt nicht jeder im optimalen Dreieck zwischen den vorderen Lautsprechern. Daher hat die Filmindustrie den Center C erfunden. Er ist in der Mitte und stabilisiert akustisch die Mitte.

Die Bässe kommen über den Subwoofer (S). Somit kann man die kleinen Boxen von den Bässen entlasten; diese macht dann der Bass-Spezialist, den man in erster Näherung an einen beliebigen Ort stellen kann. Besonders geeignet ist in jedem Fall der vordere Bereich zwischen den Frontlautsprechern (F), wenn dort Platz ist.

Von hinten beschallen die Rear-Lautsprecher (R, rear = engl. rückwärtig). Sie können als Direktstrahler oder Dipol ausgelegt sein.

Heimkino

Frank:
Wann werden Direktstrahler, wann Dipole verwendet?

Peter:
Wenn man hauptsächlich HiFi hört, insbesondere im Mehrkanal-Modus, dann empfehle ich Direktstrahler (Bild oben); es hängt jedoch auch von der Entfernung des Rear-lautsprechers (R) vom Hörer ab: ist die Entfernung kleiner als 1 m, so sind Direktlautsprecher ungeeignet. Dann empfehlen sich Dipole (Bild links), die so angeordnet sind, dass der Schall indirekt zum Hörer gelangt.

Wie im Bild links eingezeichnet strahlt der Dipol nach zumindest 2 Seiten; seine Aufgabe ist es ein diffuses Klangbild zu erzeugen (der Schall soll nicht ortbar sein). Daher strahlt er mit unterschiedlicher Phase nach vorn und nach hinten. Oft werden tiefe Töne direkt zum Zuhörer (also nach einer dritten Seite) abgestrahlt, da tiefe Töne nicht zu orten sind.

Heimkino

Frank:
Dann sollten die meisten Heimkino-Fans Dipole kaufen?

Peter:
Nein, nicht unbedingt.

Den diffusen Charakter erhält man auch, wenn einen Direktstrahler schräg gegen die Wand strahlen lässt. Man hat hier den Nachteil, dass man diesen nicht so leicht an der Wand befestigen kann (wenn man ihn dann noch drehen will). Ansonsten ist die Wirkung eines so gerichteten Lautsprechers (Bild links) sehr ähnlich, da zum Ohr der Direktschall, und unterschiedliche Reflexionen gelangen, so dass das Klangbild dann auch diffus ist.

Der Vorteil hier ist, dass man selbst ausprobieren kann, was den eigenen Hörgewohnheiten eher entspricht.

Heimkino

Frank:
Worauf achtest Du bei den vorderen Boxen?

Peter:
Die vorderen Boxen sollten ein Klangbild erzeugen, wo jede Quelle ortbar ist. Dies wird durch den Center erleichtert. Bei Anlagen ohne Laufzeitkorrektur, können Front und Center etwas kreisförmig um den Zuhörer stehen.

Dabei sollten die Frontlautsprecher, wenn dies der Raum zulässt, nicht dicht an der Seitenwand stehen. Der Abstand A sollte - wenn möglich - mindestens 80 cm betragen. Ansonsten folgt der indirekte Schall (i, nun auf der rechten Seite im Bild zu sehen) dem direkten Schall (d) in weniger als 1 Meter Entfernung. Dies kann das Ohr nicht mehr auflösen. Räumliches Hören wird erschwert, die Ortbarkeit deutlich verschlechtert.

Heimkino

Frank:
Was ist nun bei einem 6.1-System anders?

Peter:
Hinten hat man das gleiche Problem wie vorn: Wenn der Schall genau von hinten kommt, dann hört dies nur der Zuhörer von hinten, der beim 5.1-System in der Mitte sitzt. Daher hat man auch hier den Center (C) zur Stabilisierung der Mitte eingeführt.

Die seitlichen Rear-Lautsprecher (R) werden behandelt wie beim 5.1-System; man kann Direktstrahler oder Dipole verwenden.

Der Center hinten sollte idealerweise ähnlich hoch stehen oder hängen wie die Rear-Lautsprecher.

Heimkino

Frank:
Nun fehlen noch die 7.1-Systeme ....

Peter:
Beim 7.1-System hat man die Schallquellen praktisch rundherum um sich.

Auch hier gilt wieder: Wenn der Abstand der Rear-Lautsprecher (R) zum Zuhörer kleiner als ca. 1 m ist, dann wären Dipole einzusetzen. Man kann aber auch normale Direktstrahler einsetzen, die dann schräg gegen die Seiten- oder Rückwand strahlen (wie oben beim 5.1-System). Die ideale Höhe in der die Rear-Lautsprecher angebracht sind, liegt bei 1,5 bis 2 Meter.

Ist der Abstand der Rear-Lautsprecher größer als 1 Meter kann man hinten Direktstrahler einsetzen. Hier wäre eine Höhe wie die der vorderen Boxen wünschenswert. Der Abstand zwischen den benachbarten Boxen und den Boxen und dem Zuhörer sollten allesamt ähnlich sein. Sind Abstände der rückwärtigen Boxen zum Ohr des Hörers sehr viel größer oder geringer, so sollte man die Laufzeit ausgleichen indem man sie im AV Receiver passend einstellt.

Frank:
Nun sollte keine Frage mehr offen sein.

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