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der digitale Signalprozessor (DSP) und seine Anwendung

Peter Strassacker Dr. Peter Strassacker
seit 1977 Lautsprecherbau
Bücher über Materialforschung und Feldtheorie
Boxen wie Lagrange 98, Pascal, Sub 10-60

Digitale SignalProzessoren (DSP) werden zunehmend in Receivern eingesetzt und finden als Erweiterung von Musikanlagen Anwendung. Daniel Gattig befragte Peter Strassacker wo der Einsatz sinnvoll ist und wo eher nicht. (12/2012).
 
 

Daniel:
Der Digitale Signalprozessor ist in unseren Anwendungsbereichen eine Art von Frequenzweiche. Gehen wir davon aus, dass die Frequenzweiche bereits in der Lautsprecherbox enthalten ist. Dann gibt es dennoch weiteren Korrekturbedarf.

Peter:
Ja, das ist insbesondere der Fall, wenn

Daniel
Bei AV-Receivern gibt es heute meist ein Korrekturverfahren mit DSP. Warum gerade hier?

Peter
In der Anfangsphase wurde der AudioVolver uns meist an Stereo-Lautsprechern vorgeführt, wo zumindest die Anordnung im Raum bezüglich der Wege (gleichschenkliges Dreieck) meist ideal ist. Bei Heimkino ist die Einhaltung gleicher Entfernungen zu allen Lautsprechern meist nicht machbar; daher ist eine Zeitkorrektur hier in jedem Fall wünschenswert. Verfahren wie Audyssey MultEQ oder MCACC können dann noch mehr:

Daniel Raumplan
Zurück zum ersten Punkt: Ein typisches Beispiel für nicht ideale Raumverhältnisse dürfte die asymmetrische Aufstellung von Lautsprecherboxen sein?

Peter
So ist es. Im Bild rechts steht die rechte Frontbox (F) relativ weit außen, woraus sich mehrere Probleme ergeben:

Je nach Frequenz ist für den Menschen die Lautstärke, genauer die Pegelunterschiede (hohe Frequenzen) oder das Eintreffen der Schallfront (tiefe Frequenzen) ein Hinweis auf die Lokalität der Schallquelle. Durch die Verschiebung wird ein Schall aus der Mitte nicht mehr als mittig sondern als Schall von links wahrgenommen.

Auch die Entfernung des Subwoofers im Vergleich zu den F- oder C-Lautsprechern ist interessant. Im Übernahmebereich sollten beide in Phase spielen.

Daniel
Das ist aber noch nicht alles was Raumakustik aus macht?

Peter
Nein, je nach Beschaffenheit des Raumes werden manche Frequenzen gut absorbiert, andere weniger gut. Die Raummoden geringer Ordnung stellen dabei eine Gruppe von niederfrequenten Resonanzen dar, die ebenso zu Übertreibung führen.

Daniel
Und was sollte man davon korrigieren?

Peter
Große Entfernungsunterschiede können durch einzubauende Laufzeiten abgefangen werden: Alle Lautsprecher, die weniger entfernt sind, sollten pro Meter weniger Abstand 3 ms zusätzliche Laufzeit erhalten. Das Verfahren nutzt man auch in großen Sälen, die durch mehrere Lautsprecher beschallt werden.

Außerdem kann man ihren Pegel geringfügig dämpfen. Bei doppelter Entfernung nimmt die Schallenergie wenn man noch relativ nahe dem Lautsprecher ist um 6 dB ab (Kugeloberfläche viermal so groß).

Daniel
Das betrifft Laufzeit und Lautstärke. Wie ist es mit den Resonanzen im Raum?

Peter
Hier sollte man die niederfrequenten Resonanzen aus den Raummoden berechnen und diese dann unterdrücken. Dazu kann man am besten unseren Resonanzberechner verwenden und dann mit dem DSP die fünf tieffrequentesten Moden mit einer Güte von 4 bis 5 und einer Zurücknahme um 6 dB abschwächen.

Daniel
Und was ist mit höherfrequenten Resonanzen?

Peter
Hier ist es problematischer: Einerseits ist der Direktschall bei guten Boxen von recht konstantem Pegel. Will man andererseits die Raumresonanzen einbeziehen tut man sich schwer, da sich im Raum stehende Wellen bilden, so dass man bei Verschiebung des Messmikrofons um wenige cm bereits völlig neue Einstellungen vornehmen will. Auch die Mittelwertbildung über 5 Orte führt meist zu keinem sinnvollen Ergebnis.

Daniel
Dann bleiben wir lieber beim Bass. Hier kann man prinzipiell noch etwas mit der Bassanhebung experimentieren und ausprobieren ob der Raum mit einer Bassanhebung zur Tiefenlinearisierung zurecht kommt.

Peter, vielen Dank für das Gespräch.
 
 

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