Lautsprechertuning
Dr.-Ing. Peter Strassacker
Email: peter@lautsprechershop.de

Bei der Lautsprecherbox lässt sich vieles ändern; im folgenden werden die unterschiedlichen Möglichkeiten besprochen.

Gehäusematerial

Viele Fertigboxen haben ein Gehäuse aus sehr leichtem Material, das sich wie Pappe anfasst. Ein gutes Gehäuse ist jedoch schwer, da es mit zunehmendem Gewicht weniger für Resonanzen anfällig ist. Im Gegensatz zur Gitarre sollte beim Lautsprecher das Gehäuse absolut ruhig sein und nicht schwingen.

Es ist daher sinnvoll ein leichtes Gehäusematerial durch ein schwereres zu ersetzen. Pressspan und MDF (mitteldichte Faserplatte) sind bereits schwer - klanglich lohnt es nicht diese zu ersetzen, wenn das Material bereits stark genug ist. Einen Hinweis darauf, dass das Material völlig unterdimensioniert ist, erhalten Sie bei unserem Volumenrechner, indem Sie die Gehäusemasse und die Holzstärke eingeben.

Perfektionisten machen Gehäusewände mit mehrschichtigem Holz, das mit Sand gefüllt wird. Der rieselnde Sand hat dabei die Aufgabe die Schwingungsenergie zu absorbieren.

Umbau von geschlossener Box zur Bassreflexbox

Die Bassreflexbox benötigt bei sonst gleichen Daten einen deutlich stärkeren Magneten am Lautsprecher. Daher lässt sich eine normale geschlossene Box in der Regel nicht zu einer Bassreflexbox umbauen, der Klang würde "wummerig".

Umgekehrt macht es Sinn, wenn eine Bassreflexbox durch einen Subwoofer ergänzt wird. Dann muss diese Box im Bass nicht mehr so tief kommen, da die Tiefen der Subwoofer ergänzt. Verschließt man die Bassreflexöffnung, so kommt sie weniger tief und klingt im Bass sauberer. Dies ist sicher eine Verbesserung die Sinn macht.

Vielleicht noch ein Wort zur Bassreflexabstimmung: Je länger das Bassreflexrohr ist, desto tiefer ist die Resonanz des Bassreflexrohres und desto weniger wumpsig klingt der Lautsprecher. Fehlen Ihnen Tiefen, so kann eine Kürzung des Rohres den subjektiven Basseindruck verstärken, da damit die Resonanz zu höheren Tönen verschoben wird, wo der Bass dann deutlicher wahrgenommen wird.

Bassentlastung

Wer gerne die Musik laut hört, hat sicher schon oft festgestellt, das Lautsprecher überfordert sind. Wenn dabei der Tieftöner den Engpass darstellt, kann man Abhilfe schaffen.

Begrenzt man den Frequenzbereich auf höhere Frequenzen, indem man beispielsweise in die Leitung zur Box bei 4 Ohm Boxen einen 330 uF Kondensator bei 8 Ohm Boxen einen 150 uF Kondensator schaltet, so wird ein großer Anteil der Energie und der mechanischen Bewegung vom Lautsprecher fern gehalten.

Wird dieser Kondensator in die Leitung zur Box gelegt, so sollte er hochwertig sein; zumindest sollte ein Anteil von 22 uF (47 uF bei 4 Ohm Boxen) mit einem MKP-Kondensator bestückt sein, da dieser Kondensator qualitativ ja der Engpass zum gesamten Lautsprecher darstellt.

Eine andere Möglichkeit wäre, den Kondensator nur in den Tieftönzweig zu legen, so dass die hohen Töne ihn nicht passieren müssen.

Frequenzweichentuning

Hier möchten wir eines vorweg nehmen. Wenn Ihnen die vorliegende Box nicht gefällt - also wenn sie schlecht klingt, dann ist Frequenzweichentuning meist nicht sinnvoll, da eine verbesserte Frequenzweiche keine Wunder vollbringt. Es gibt vielleicht eine Ausnahme: Wenn Ihre alten Boxen über ausgetrocknete Elektrolytkondensatoren verfügen, dann kann der Ersatz dieser Bauteile den Klang kolossal verbessern.

Haben Sie jedoch eine Box, zu der die Weiche richtig entwickelt wurde, mit deren Klang Sie aber absolut unzufrieden sind, so hilft das Tuning der Box nur einem: dem Händler, der die Bauteile verkauft.

Das Frequenzweichentuning dient dazu eine Box, die Ihnen gefällt, in Nuancen zu verbessern. Das wird Ihnen nur Freude machen, wenn die Box zuvor bereits gut ist.

Welche Bauteile bringen welche Verbesserung?

Widerstände

Wie klangbestimmend Widerstände sind, ist sehr umstritten, weswegen wir hier kein Urteil abgeben. Wir empfehlen jedoch den doppelten Blindtest, d.h. einen Test, bei dem weder der Vorführer noch der Testhörer weiß, welches Bauteil gerade in der Frequenzweiche aktiv ist. Wir konnten so noch nie Unterschiede feststellen.

Kondensatoren

Bei Kondensatoren sind Elektrolytkondensatoren mit höheren Verlusten behaftet; der Tausch gegen Folienkondensatoren macht also sicher Sinn. Hier gibt es eine Ausnahme: Bei der Impedanzkorrektur, deren RLC-Glied parallel zu den Eingangsklemmen liegt, spielt die Bauteilequalität nahezu keine Rolle, weswegen wir hier nie teuere Bauteile empfehlen.

Bei Hörvergleichen stellen viele unserer Kunden einen deutlichen Zugewinn an Klangqualität fest, wenn ein günstiger MKT-Kondensator durch einen MKP-Kondensator ersetzt wird. Diese Unterschiede sind besonders im Mittel- und Hochtonbereich festzustellen.

Zinnfolienkondensatoren zeigen einen geringeren Mikrophonieeffekt, d.h. durch ihre schweren Elektroden neigen diese weniger zum Schwingen, wodurch das Bauteil weniger dazu neigt durch Eigenschwingung ein Eigenleben zu führen, das wiederum den Klang beeinflusst, wenn am Kondensator eine Spannung anliegt.

Mundorf Supreme CAPS (und vergleichbare Kondensatoren von anderen Firmen wie IT, Jensen) und Silver-Oil-Kondensatoren runden das Spektrum nach oben ab.

Spulen

Bei Spulen sind Luftspulen am verzerrungsärmsten. Spulen mit Kern müssen ihren Kern ummagnetisieren, was mit Verlusten und Verzerrungen (nicht-harmonische Verzerrungen, Klirrfaktor) verbunden ist.

Luftspulen sind oft bei gleichem Gleichstromwiderstand größer als die Kernspulen, was ihr Nachteil ist.

Ein besonders geringer Mikrofonieeffekt (Eigenbeeinflussung der Spule) ist bei Kupferfolienspulen (cfc-Spulen) festzustellen.

Nachsatz:
Gerade im Frequenzweichen-Tuning sind die professionellen Boxenentwickler der Meinung, dass man nicht so viel tun muss, wie die meisten Hobbyisten denken. Viele Spitzenentwickler glauben, dass MKP-Kondensatoren und Luftspulen auch in hochwertigen Lautsprechern völlig ausreichen.

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